„Vom ABC zum eigenen Betrieb“

Etwas peinlich berührt war ich, wie ich bei unserem Projektpartner CECIM im Büro in Ciudad Sandino reinschneite. Ein ganzes Spektakel wurde zu meinen Ehren organisiert: Folklore Tänzerinnen, Gesang und Gitarre. Mit Musik bin ich schnell und leicht zu ködern. Die talentierten Jugendlichen von CECIM haben ihr Bestes gegeben, und es war berührend zu sehen, wie sie aufblühten.

 

Musik ist einfach eine gemeinsame Welt-Sprache, vereint Generationen und Kulturen. Nach einer kleinen Lobesrede meinerseits (ich endete die Ansprache mit „…und es ist wichtig für das Selbstvertrauen, Musik zu machen und seine Talente zu entdecken und mit anderen zu teilen“), forderte mich eine Mitarbeiterin dazu auf, doch etwas vorzuspielen und zu singen.

Warum habe ich nur zugegeben, selbst Gitarre zu spielen, damit bin ich ins  ordentlich ins Fettnäpfchen gestiegen. Ich preise den Mut der jungen Menschen, und bin dann selbst zu feige. Jedenfalls bat ich um kurze Schon- und Bedenkfrist (um mir ein Lied zu überlegen), um dann den Klassiker „Wicked Games“ darzubieten (meine Freundin Isabella wäre entzückt gewesen).

P1010982
Um mundo justo para niños y niñas

Centro de Educación y Capacitación Integral Hna. Maura Clarke arbeitet seit fast 30 Jahren im Bildungsbereich in Ciudad Sandino. Seit ein paar Jahren gibt es neben der Grundschule zusätzlich Berufsausbildungen für Frauen und Jugendliche. Die Kurse umfassen jene Fertigkeiten, die in Nicaragua traditionellerweise die größte Nachfrage haben: Kochen und Konditorei, Nähen, Kosmetik sowie handwerkliche Produktion. Die fachlich-technischen Inhalte werden mit Themen für eine persönliche Entwicklung der Jugendlichen verbunden, damit diese eine positive Einstellung entfalten können. Neue Fähigkeiten und Perspektiven zu entdecken sind wichtige Elemente für die Ermächtigung der TeilnehmerInnen.

Wir haben eine comunidad besucht, wo zwei ehrenamtliche Lehrerinnen mit jungen Menschen aus der Nachbarschaft wöchentlich lernen. Viele Kinder müssen der Familie helfen und arbeiten. Der Ansporn doch regelmäßig den Unterricht zu besuchen, liegt für manche im Enthusiasmus der LehrerInnen und ihrer unkonventionellen, offenen Art Wissen zu vermitteln. Eine andere wichtige Motivation treibt den Willen an, lesen zu können, zu wissen, wenn man beispielsweise etwas unterschreibt, was denn da überhaupt auf dem Papier steht.

 

Beide dieser Klassenzimmer sind von Anrainerinnen zur Verfügung gestellt. Im Bild links sieht man hinten im Hof die Fahrradtaxis der Jugendlichen. Sie fahren die Menschen vom Eingang der Nachbarschaft zu ihren Häusern und verdienen sich so etwas Geld. Die Wellblechhütte im Bild rechts ist teilweise recht prekär gebaut und das Dach hält kaum mehr zusammen. Das tut aber der Lernbereitschaft keinen Abbruch.Während ich dem Unterricht lausche, denke ich darüber nach, welch Grundrecht und Privileg es ist, Bildung zu genießen, und bin beeindruckt über das Mädchen, das zeitgleich ihr Baby stillt und über dem Lernbuch grübelt.

Hier ein Beitrag von meinem Kollegen Klaus Brunner über die Arbeit von CECIM:


3 Gedanken zu “„Vom ABC zum eigenen Betrieb“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s