Laguna de Apoyo – Tagesausflug ins Paradies

Ein bisschen Regeneration muss auch sein, und so sind meine beiden Kolleginnen und ich an einem schönen Samstag von Managua aus mit dem Auto zur Laguna de Apoyo gefahren. 200 Jahre alt und 200 Meter tief ist dieser Vulkankrater. Die Caldera selbst entstand aber schon vor 23.000 Jahren bei einem Vulkanausbruch. Öffentlich kann man die Lagune von Granada, Managua oder Masaya leicht erreichen. Es fahren mehrmals in der Stunde microbuse oder sogenannte chicken buses diese Strecke entlang. Einfach dem Busfahrer mitteilen, dass man an den Eingang der Lagune möchte („entrada de la laguna de apoyo“).

Von dort aus kann man entweder mit dem Bus weiterfahren, 45 Minuten zu Fuß gehen oder ein Taxi nehmen. Am Ende der Straße gibt es von einer Abzweigung aus rechtsgelegen einen kostenfreien öffentlichen Zugang. Wenn man vorbereitet mit Essen, Picknickdecken und Getränken ausgestattet ist, kann man auch hier exzellent die Seele baumeln lassen. Oder man zahlt ein paar US-Dollar Eintritt in eine der unzähligen Touristenetablissements. Dort genießt man den Vorteil von Bars, Stand-up-Paddel, Kayaking, Restaurants, Umkleidekabinen, Liegestühlen, Ping-Pong, Hängematten und was sonst noch alles so geboten wird. Wir waren im entzückenden Hostel Paradiso, wo wir 7 US-Dollar pro Person für einen Tagespass zahlten. Auf dem schwimmenden Dock liegend und die umliegende Landschaft bestaunend, kann man wirklich nicht anders als sich wie im Paradies fühlen!

Das Wasser der Lagune ist warm, es soll eine der saubersten Lagunen Nicaraguas sein. Es gibt auch hiking Aussichtspunkte um die Lagune, wie der Mirador de Catarina. Einmal oben angelangt, ist die Aussicht wirklich atemberaubend.

Regenerieren und raus aus Managua, welch Wonne für die Seele. Ich kann aber nicht behaupten, dass Nicaragua für mich entspannend ist. Die Belanglosigkeit, was es heißt, persönliche Entspannung zu genießen, im Angesicht der ganzen Probleme, die unsere Projektländer hier in Zentralamerika ertragen müssen… Ich bin nicht zur Entspannung hier. Auch nicht zum Freundschaften schließen. Etwas, das für mich, als sehr sozialen Menschen gar nicht so leicht ist. Mein Auftrag ist ein anderer: die Lebenswelten der Menschen hier ein kleines bisschen besser zu gestalten. Und damit ich nicht auf dem Weg meiner Bemühungen physisch und psychisch verkümmere, darf es manchmal auch ein bisschen Paradies sein.

So viele cheles und chelas (Hellhäutige) wie hier im Paradiso Hostel habe ich seit meiner Ankunft Anfang Juli 2017 noch nicht gesehen. In Managua gibt es sowieso so gut wie keine Ausländer, wer von den Mainstream-Touris möchte schon freiwillig länger in Managua bleiben (siehe mein Blogeintrag Sightseeing in der Hauptstadt)? Im Liegestuhl am blauen Vulkankrater durfte ich erstmals, seitdem ich einen Fuß auf nicaraguanischen Boden gesetzt habe, Reiseluft schnuppern. Unter den jungen Touris im Hostel habe ich mich kurz wie ein Backpacker gefühlt, wie damals zu meinen Studierendenzeiten. Aber die Zeiten sind einfach andere. Ich bin froh, heutzutage ein Land auf eine ganz andere, tiefsinnigere Art und Weise kennenlernen zu dürfen. Froh und priviligiert bin ich. Ich kann nur jedem Reisenden empfehlen, der/die etwas länger unterwegs ist, als Freiwillige/r in einer Organisation zu arbeiten. Oder sich als Fachkraft bei HORIZONT3000 zu bewerben, so wie auch meine ehemalige Kollegin Eva Bachthaler damals: http://www.horizont3000.at/schritte-zum-einsatz-jobs

Jannett Ramirez, Eva Bachthaler

Abschließend noch ein Buchtipp: Gioconda Belli, die wohl bekannteste Schriftstellerinnen und Lyrikerinnen des Landes, schrieb einen Roman der an ebendieser Lagune spielt: „Sofia de los presagios“, deutscher Titel „Tochter des Vulkans“. Eine berührende Geschichte voll von Vorurteilen: in ihrer sozialkritischen Manier zeichnet die Autorin eine Szenerie voller Magie, getragen von einer Protagonistin, die versucht, gegen herkömmliche Frauenbilder anzukämpfen, um ihre Identität entfalten und ihre Potentiale ausschöpfen zu können. Wer sich für die Gesellschaftsstrukturen Nicaraguas, der Begegnung von Katholizismus und Naturglaube und eine poetische Emanzipationsgeschichte interessieren könnte, der sollte es auf jeden Fall mit diesem Werk versuchen.

 

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