Die Welt der Bienen im privaten Naturschutzgebiet Estancia del Congo

Um 7 Uhr früh holt mich mein Kollege Johann Mandlberger von zuhause ab, um Richtung Bezirk Rivas und das Naturreservat „Estancia del Congo“ zu fahren. Eine Gruppe, hauptsächlich bestehend aus VertreterInnen anderer Naturreservate, möchte die Welt der Bienen dort kennenlernen. Vor  der Ankunft fahren wir bei den angrenzenden Monokulturen vom Zuckerrohr vorbei und sehen die Kühe, die in der Viehwirtschaft von „Estancia del Congo“  gehalten werden.

Den Rohkäse „cuajada“, den wir nachher degustieren und auch kaufen, schmeckt ausgezeichnet. Glückliche Kühe, geben gute Milch, so einfach ist das. Das Prinzip des nachhaltigen und diversifizierten Bio-Business wird über das Netzwerk der sogenannten „Reservas Silvestres Privadas“, der privaten Naturreservate, also staatliche anerkannte private  Naturschutzgebiete welche im SINAP (Sistema Nacional de Areas Protegidas) verankert sind, gestärkt und verbreitet.

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Die Mission dieser seit 2001 bestehenden Körperschaft RED-RSP (Red de Reservas Silvestres Privadas) besteht in der Unterstützung der Konservierung der Biodiversität, der nachhaltigen integralen Entwicklung und der Positionierung als Referenzsektor für den freiwilligen Umweltschutz und dem Genuss des Naturerbes. Derzeit sind in etwa  94 Naturreservate (Offizieller Stand Umweltministerium, Juli 2016) in ganz Nicaragua registriert, in etwa die Hälfte davon ist aktiv im Netzwerk engagiert. Für die Registrierung beim MARENA, Ministerio del Ambiente y Los Recursos Naturales, Medio Ambiente Nicaragua müssen eine Reihe von Bedingungen erfüllt, ein Managementplan eingereicht und eine Evaluierung der Flora & Fauna durchgeführt werden. Die Gebiete sind je nachdem unter verschiedenen Schienen registriert, wie Öko-Tourismus und Produktion (Vieh- und Bienenzucht, Kaffee). Manche Areale sind in der Überwachung der Artenvielfalt beispielsweise auf Vögel spezialisiert.

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Quelle: http://reservasilvestres.com/

Das RED-RSP hat verschiedene Strategien zur Erhaltung wirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit entwickelt. In diesem Sinne fördert das RED-RSP innovative Wege für lokale AkteurInnen Einkommen zu generieren, ihre Lebensqualität zu verbessern und die nicht nachhaltige Nutzung von natürlichen Ressourcen zu verringern. Die Bienenzucht ist eine dieser Einkommensquellen.

Der Besitzer der „Estancia del Congo“ Freddy Cruz und sein Co-Unternehmer Ramiro Medina, der Imker des Naturschutzgebietes, sind geeicht darin, von ihren Erfahrungen zu erzählen. Das Querschnittsthema des Co-UnternehmerInnentums wird von dem RED-RSP aktiv gefördert, die Partnerschaft von Freddy und Ramiro, die sich in ihren Qualifikationen in technischer Hinsicht und Managementfähigkeiten gut ergänzen, ist exemplarisch dafür. Ramiro ist Imker aus Leidenschaft, das merkt man, wenn er liebevoll von seinen Bienen erzählt (die nachfolgenden Fotos sind von Johann Mandlberger).

Zwei Bienenarten gibt es in der „Estancia del Congo“: die kleinen nativen stachellosen Bienen, die wenig, aber exquisiten Honig produzieren und die uns bekannten Honigbienen mit afrikanischen Wurzeln oder auch „afrikanisierte Bienen“ genannt.

Ramiro zeigt uns, wie man ein Bienenvolk  der nativen Melipona Biene, von einem Baumstück in einen Bienenstock transferiert. Delikat ist diese Arbeit, denn beim Sägen und Transplantieren sollen so wenig wie möglich Waben zerstört werden, und die Bienenkönigin muss auch mit auf die Reise. Eine Kiste wird für um die 50 US$ verkauft.

Beim Degustieren der verschiedenen Honigarten werden alle Sinne in unserem Mund beansprucht, ja wunderbar ist dieser Honig, und am Besten schmecken jene Kostproben, wo der Honig noch in den  wachsigen Waben drinnen ist.

degustacion

Freddy erzählt uns im Anschluss vom Konzept des Co-UnternehmerInnentums, eine Beziehung von Vertrauen und Partnerschaft, wo Freddy das Kapital und das Naturreservat von ca. 50 ha  beisteuert , während Ramiro mit seiner Erfahrung und seinem Wissen seine Arbeitszeiten selbst diktiert. Er bietet Beratung in Bienenzucht, Diversifizierung von Honigsorten und Kommerzialisierung an, woran die anderen VertreterInnen der Naturreservate auch großes Interesse zeigen.

In der „Estancia del Congo“ darf gecampt werden und verschiedene Öko-Touren werden angeboten, denn die Küste vom Lago Cocibolca grenzt an das Gebiet und den Badeort El Menco. Leider kommen wir an diesem Tag nicht dazu, die ganzen Wanderwege im Reservat zu bestaunen, aber die Affen kommen uns besuchen und nach dem Mittagessen dürfen die Honigbienen besucht werden. Der Smoker, ein Imkereigerät, senkt die Stechbereitschaft der Bienen, und erleichtert dem Imker die Arbeit am Bienenvolk.

Der Besuch einschließlich dem Erfahrungsaustausch in „Estancia del Congo“ stellt ein klassisches und effektives Wissensinstrument dar, es werden vor Ort Erfahrungen anhand praktischer Einblicke in die jeweilige Arbeit geteilt.  Geplant sind jedenfalls weitere solche Austauschtreffen und auch ein Kurs in Bienenzucht. Ramiro hat uns überzeugt, die Kunst der Imkerei sichert nicht nur den Erhalt der Artenvielfalt auf unserem Planeten, sondern ist auch eine sinnvolle Einnahmequelle.

„Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, kein Mensch mehr.“ (Albert Einstein)

Wer mehr dazu auf Spanisch nachlesen moechte, von der Kooperation des RED-RSP  mit der deutschen und mexikanischen Kooperation sind zwei anschauliche Handbuecher zur praktischen Handhabe der Imkerei entstanden:

2016 – Manejo básico de abejas nativas: Manual de Meliponicultura básica de buenas prácticas para el trabajo con abejas sin aguijón.

2016 – Manual de buenas prácticas apícolas.

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